Domchor - undatiert

Domchor – undatiert

Der Paderborner Domchor steht in der jahrhundertealten Sängertradition der Bischofskirche zu Paderborn, die sich zurückverfolgen lässt bis in die Zeit des Bischofs Hathumar (806-815). Mit Beginn des 13. Jahrhunderts werden erstmals Namen von Kantoren genannt, zu deren Aufgaben es gehörte, Domschüler als Nachwuchssänger heranzubilden.

Neugründung des Domchores 1889 und die Domchorleiter

Die Geschichte des Domchores in seiner heutigen Form als vierstimmiger Knabenchor beginnt im Zuge der kirchenmusikalischen Restaurationsbewegung des allgemeinen Cäcilienverbandes im Jahr 1889. Im April 1885 übertrug das Paderborner Domkapitel dem seit 1872 am Dom als Choralist tätigen Carl Fischer das Amt des Domkantors. Damit setzte Fischer die lange Reihe von Kantoren fort, die die Dommusik in Paderborn durch die Jahrhunderte hindurch gestalteten. Schon bald begann er, die Choralschola des Domes mit Knabenstimmen erheblich zu vergrößern. Damit kam er dem vielerseits geäußerten Wunsch nach, dass im Dom neben dem Gregorianischen Gesang auch wieder mehrstimmige Musik erklingen solle. Am 5. Oktober 1889 kann Carl Fischer dem Domkapitel Folgendes mitteilen:

„ … Nachdem ich diesen, auch von mir geteilten Wunsch an zuständiger Stelle vorzutragen mir erlaubt und dort Zustimmung gefunden hatte, ist es mir gelungen, in diesem Frühjahr ca. 10 Herren dafür zu interessieren und zu gewinnen, den für den gedachten Zweck zu schwachen Domchor zu unterstützen und an den Proben und Aufführungen zu beteiligen. Es musste nun aber auch der Knabenchor für solche Fälle verdoppelt werden. Mit dem so auf 50 bis 54 Stimmen verstärkten Chor begann ich dann mehrstimmige Messen, Motetten usw. einzuüben, und war der Erfolg ein so günstiger, dass schon in diesem Sommer wiederholt mehrstimmig gesungen werden konnte. Da nun aber zur Erzielung eines guten, der hehren Sache würdigen und die Gläubigen wahrhaft erbauenden Vortrags viel und anhaltend geübt werden muss, und diese Übungen viel Zeit in Anspruch nehmen, so ist es zur Erhaltung und Förderung der guten Sache notwendig, den Mitwirkenden eine Vergütung zu gewähren. In der Voraussetzung, dass das Hochwürdige Domkapitel mit dem Arrangement an sich einverstanden sei, erlaube ich mir nun folgendes unmaßgeblich und untertänigst zu bemerken.

Zurzeit werden für 14 Chorknaben a 36 M. pro Jahr gezahlt. Diese 504 Mark verteile ich auf 18-22 Knaben, die jetzt regelmäßig im Chor stehen. Wenn nun für fernere 10 Knaben je 36 Mark bewilligt werden könnten, dann könnten an jedem Sonn- und Feiertage ca. 20 Knaben im Chore stehen, und bei mehrstimmigen Messen usw. 36 bis 40 Knaben mitwirken.

Für die Männerstimmen würden sich sicherlich einige Herren finden, welche sich an den Proben und Aufführungen beteiligten. Für mindestens 6 Personen würde jedoch eine Vergütung, etwa in Form einer kleinen Gratifikation zu Weihnachten von je 50 M. erforderlich sein. Endlich wäre es sehr wünschenswert, wenn den beiden jüngsten Choralisten, da deren Gehalt nur 300 M. pro Jahr beträgt, für die an sie gestellten größeren Anforderungen eine besondere Renumeration von je 30 bis 50 M. gewährt werden könnte. Durch eine angemessene Renumierung des Domchores, wie ich sie vorstehend vorzuschlagen mir erlaubte, würde meiner unvorgreiflichen Ansicht nach ein guter und würdiger Chorgesang im Dom dauernd gesichert werden …

1892 sangen an höheren Festtagen bereits 50 bis 60 Knaben im Domchor. Im selben Jahr verließ Domkantor Fischer den Dom, um in den Franziskanerorden einzutreten. Übergangsweise übernahm Domvikar Heinrich Schauerte die Leitung des Domchores.

Hermann Müller (1894–1901)

Am 7. April 1894 bedankte sich der Paderborner Bischof Hubertus Simar beim Domkapitel für die Anstellung des neuen Domkantors Kaplan Hermann Müller, dem er am 15.2. des Jahres das Amt zunächst probeweise übertragen hatte.

Hermann Müller wurde am 1. Oktober 1868 in Dortmund geboren. In Paderborn besuchte er das Gymnasium Theodorianum und wohnte im Internat des Bischöflichen Knabenseminars. Nach seinem Theologiestudium in Innsbruck wurde er am 25. März 1891 in Trient zum Priester geweiht. Während seiner Tätigkeit als Vikar in Dortmund besuchte er die Kirchenmusikschule in Regensburg. 1895 promovierte er in Tübingen.

Am 15. Oktober 1901 wurde er an der Paderborner Theologischen Akademie zum Professor für Moraltheologie berufen. Müller war Allein- und Mitherausgeber vieler namhafter Schriften. So gehörte er zum Beispiel zu den ersten Mitarbeitern des Archivs für Musikgeschichte. Ebenso gehörte er der Herausgeberkommission der Denkmäler der Tonkunst in Deutschland und Österreich an. In dieser Reihe gab er 1931 die Messen von Antonio Lotti heraus. Müller engagierte sich auch auf dem Gebiet musikwissenschaftlicher Forschung. Er veröffentlichte das Musiktraktat des ersten westfälischen Musiktheoretikers Gobelin Person (1358–1421) und beschäftigte sich mit der Urgeschichte des deutschen Kirchenliedes. In der 1926 herausgegebenen Schrift „Gänge durchs Kirchenlied“ suchte er die Ursprünge der Lieder des Paderborner Diözesangesangbuches „Sursum corda“. Die Gründung der Kirchenmusikschule in Paderborn (1905–1924) ging auf seine Initiative zurück. Er betreute die von Domorganist Johannes Cordes (1873–1926) ins Leben gerufene Musikbücherei. Seiner vielfältigen Tätigkeit als Musiker und Theologe verdankt die Diözese Paderborn einen Aufschwung der Dommusik.

Seine Leistungen mit dem Domchor wurden beispielhaft und wirkten über die Grenzen der Diözese hinaus. Bereits im ersten Wirkungsjahr Hermann Müllers als Domchordirektor wird der Domgottesdienst als „liturgisch vollkommen rein und makellos“ bezeichnet:
„Da wird nie die Wiederholung des Introitus versäumt, nie auch nur das 2. Agnus Dei oder ein Satz der Sequenz ausgelassen… Selbst bei den täglichen Konventualämtern fehlt kein Jota vom liturgischen Gesang“. Schon nach wenigen Jahren seiner Stabführung galt der Paderborner Domchor als einer der leistungsfähigsten Knabenchöre und vorbildlich für ganz Deutschland.

Ein ehemaliger Domchorknabe erinnert sich:

„Um Ostern 1893 vermittelte ein guter Freund meine Aufnahme… Das Übungslokal lag gleich hinter der Kapelle bei der „Roten Pforte“ des Domes. Choralmessen, Responsorien und Psalterium Vespertinum lernten sich schnell. Bei feierlichen Gelegenheiten gab es auch mehrstimmigen Gesang. Ostern 1894 übernahm der damalige Repentent, der spätere Professor Hermann Müller die Leitung des Chores. Da wehte bald ein anderer Wind, sogar buchstäblich. Wenn der neue Dirigent seine gewaltigen Armbewegungen machte – die weiten Ärmel des Rochettes flogen mit – hielten wir krampfhaft unsere Notenblätter fest… Sowohl bei den Männer- wie bei den Knabenstimmen wurde stark gesiebt. Eine ganze Reihe Theologen tratals Ersatz ein … Wir übten gemeinsam am Dienstag und am Donnerstag um 1/2 2 Uhr … Es gab auch Übungsstunden im Dom … Zur Heranbildung eines Nachwuchses für die Knaben beim Domchor richtete Herr Müller eine Vorschule ein … Das Collegium Leoninum war bezugsfertig. Manche Probe fand fortan dort statt“.

Unterstützt von Bischof Simar setzte sich Müller für die vermehrte Pflege des Choralgesangs ein. Er förderte die vatikanische Ausgabe des Gregorianischen Gesangs von 1908. Auf dem internationalen Musikkongress in Wien 1925 setzte er sich für die kirchenmusikalischen Werke der Wiener Klassik ein. Prof. Müller förderte außerdem zeitgenössische Kirchenmusik.

Ignaz Vocke (1901–1905)

Nach dem Ausscheiden Müllers übernahm 1901 Domvikar Ignaz Vocke das Amt des Domchordirektors. Er leitete den Domchor bis zu seiner Versetzung nach Brakel. Am 4.9.1905 wurde Seminarlehrer Ewald Domchordirektor.

Gustav Schauerte (1905–1945)

Schon bald löste ihn Gustav Schauerte ab. Schauerte, am 11. August 1876 in Lüdenscheid geboren, besuchte das Gymnasium in Brilon. Nach Theologiestudium und Priesterweihe in Paderborn erhielt er seine erste Seelsorgerstelle in Voerde bei Hagen. Als er Anfang 1905 nach Paderborn gerufen wurde, konnte er sich zunächst unter Domchorleiter Ewald in seine neue Tätigkeit als Domchordirektor einarbeiten. Er wuchs rasch in sein neues Amt hinein, „ohne selbst dabei“ – wie sein späterer Freund Hatzfeld sagte – „etwas anderes im Auge zu haben, als seiner ihm gestellten Aufgabe bis auf das äußerste gerecht zu werden, seiner Aufgabe als Kirchenmusiker an der vornehmsten Stelle des Bistums“. Unterstützung fand Schauerte durch kompetente Fachleute, wie Prof. H. Müller, Domorganist J. Cordes und Johannes Hatzfeld.

Hatzfeld lernte Schauerte 1914 kennen. Er wurde am 14. April 1882 in Benolpe geboren. Nach seiner Reifeprüfung am Gymnasium in Attendorn studierte er Philosophie, Theologie und Musikwissenschaft in München. 1906 wurde Hatzfeld in Paderborn zum Priester geweiht. Nach seelsorglicher Tätigkeit in Sachsen und Sandebeck und seiner Lehrtätigkeit als Religionslehrer am Lyzeum Pelizaeus in Paderborn wurde er 1924 Kulturreferent beim Volksverein für das katholische Deutschland. 1932 übernahm er die Schriftleitung der Paderborner katholischen Wochenzeitschrift „Leo“ und hatte sie auch für die 1946 neugegründete Bistumszeitung „Der Dom“ inne. Hatzfeld sah seine Lebensaufgabe darin, an der Erneuerung und Weiterentwicklung der Kirchenmusik mitzuarbeiten. Besonders setzte er sich für zeitgenössische junge Kirchenkomponisten ein. Er stand in Bekanntschaft mit den Musikern J. Haas, G. Rüdinger, H. Lemacher, H. Dombrowski, F. Philipp, K. Kraft, H. Humpert, E. Desderi, K. Roeseling, J.B. Hilber, K. Pillney, O. Siegl, A. Knab, A. v. Othegraven, J.v. Nuffel, O. Jochum, W. Berten und W. Schnippering.

Einige von ihnen hielten sich zeitweilig in Paderborn auf und wurden von Johannes Hatzfeld unterstützt. Hatzfeld veröffentlichte Arbeiten zum Thema „moderne Kirchenmusik“. In seiner kirchenmusikalischen Publikationsreihe „Musica orans“ erschienen zeitgenössische Kirchenkompositionen. Nicht zuletzt haben seine Liedsammlungen „Tandaradei“ (1917) und „Susani“ (1925) Verbreitung gefunden. Im Jahre 1929 gab er den Anstoß zur Bildung der Internationalen Gesellschaft zur Erneuerung der katholischen Kirchenmusik (IGK), die sich zur Aufgabe gemacht hatte, das Schaffen junger Kirchenkomponisten zu fördern, und ihre Werke zur Aufführung zu bringen. Bei allem Einsatz für die Verbreitung zeitgenössischer Kirchenmusik wies er immer wieder darauf hin, dass Kirchenmusik der liturgischen Feier zu dienen habe.

Hatzfeld und Schauerte arbeiteten eng zusammen. „Wirkte Hatzfeld vor allem als geistiger Führer, als Förderer, Anreger, Sammler, Herausgeber und Lehrender, so war Gustav Schauerte mehr der Mann der Praxis, der sich mit dem ganzen Gewicht seiner imponierenden Persönlichkeit und seinem im besten Rufe stehenden Domchor für die Ausführung der Pläne Hatzfelds … einsetzte“. Schauerte machte die Bekanntschaft mit zeitgenössischen Kirchenkomponisten und setzte ihre Werke in der Dommusik ein. Ein Ergebnis der Zusammenarbeit Hatzfelds und Schauertes war die Herausgabe der Sammelbände katholischer Kirchenchöre „Hymnar für Männerchor“, „Jubilate Deo“ für Frauenchor und „Cantual“ für gemischten Chor, die im Jahre 1928 erschienen.

Vom Cantual wurde im Domchor reichlich Gebrauch gemacht. Neben den Meistern der Altklassischen Vokalpolyphonie Palestrina, Haßler, Victoria, Lassus, Anerio und Aichinger, einigen Kirchenmusikern der Cäcilianischen Richtung Witt, Aiblinger, Mitterer und großen Romantikern wie Brahms, Bruckner, Liszt und Reger gehören von 45 im Cantual vertretenen Musikern 18 Komponisten der zeitgenössischen Generation an wie zum Beispiel H. Dombrowski, E. Desderi, L. Weber, K. Kraft, C. Jaspers, G. Rüdinger, W. Berten, J. v. Wöß, O. Siegl, F. Philipp und J. Haas. Schauerte weist im Vorwort darauf hin, dass er mit leichten bis anspruchsvollen Chorsätzen die ganze Bandbreite der Kirchenchöre ansprechen möchte. Durch Erstveröffentlichungenvieler neuer Werke will er „dem zeitgenössischen Schaffen alle Förderung angedeihen lassen“. Neben 18 Bearbeitungen alter Kirchenlieder für gemischten Chor von Hatzfeld fanden auch 6 Kompositionen des Herausgebers Aufnahme in das Cantual (5 Bearbeitungen von Kirchenliedern und ein Miserere im Falsibordone-Satz).

Wenn der Domchor sich nicht durch Konzertreisen außerhalb der Diözese Paderborn einen Namen machen konnte (Schauerte: „Wir sind ein Domchor und kein Reisechor“) – so machte er doch immer wieder durch seine gesanglichen Qualitäten auf sich aufmerksam. Auch dem Mut Schauertes, moderne Kompositionen in das Repertoire aufzunehmen, verdankte der Domchor die Aufmerksamkeit anderer Regionen. Möglichkeiten, den Domchor zu hören, gab es an den Sonn- und Festtagen und am Festtriduum des Diözesanpatrons Liborius.

Mit der Zerstörung des Domes am 27. März 1945 verstummte die Dommusik für kurze Zeit. Am 8. Mai 1945 verstarb Gustav Schauerte, der am 17. Januar durch einen Bombenangriff seine Wohnung verloren hatte, an den Folgen einer Kriegsverletzung. Johannes Hatzfeld starb am 5. Juli 1953. Noch im Sommer 1945 wurde Hubert Göbel Domchordirektor

 

Wiederbeginn 1945

Hubert Göbel (1945–1964)

Die beiden großen Luftangriffe auf Paderborn am 17. Januar und am 27. März 1945 hatten die Stadt bis zu 80 Prozent zerstört. Der Dom war im gleichen Ausmaß von der Zerstörung betroffen. Auch das damalige Erzbischöfliche Knabenseminar -viele Internatsmitglieder besuchten den Domchor- war ausgebrannt. Der Aufschwung nach Kriegsende erfasste dennoch auch den Paderborner Domchor. Nach dem Tode von Prof. Gustav Schauerte übernahm Domvikar Hubert Göbel die Leitung des Domchores.

Hubert Göbel (24.8.1906–25.9.1981) entstammte einer Soester Lehrerfamilie. Nach dem Abitur, das er am Archivgymnasium in Soest ablegte, studierte er Theologie und Philosophie in Paderborn und München. Am 12. März 1932 wurde er in Paderborn zum Priester geweiht. Bis 1936 war er Religionslehrer in Bochum-Langendreer. Anschließend unterrichtete er bis 1939 an den Städtischen Berufs-und Handelsschulen in Paderborn. Von 1939 bis 1941 studierte Göbel Kirchenmusik und Musiktheorie an der Akademie für Tonkunst in München bei Josef Haas. Danach war er bis zu seinem Amtsantritt als Domchordirektor 1945 Seelsorger der katholischen Kirchengemeinde in Lipperode. 1946 wurde Göbel Dozent für Kirchenmusik an der Theologisch-Philosophischen Fakultät Paderborn, 1957 Professor und im selben Jahr Präses des Diözesancäcilienverbandes.

Außerdem war Göbel Diözesanbeauftragter für Orgelbau und Glockenwesen. Hubert Göbel nahm seine Sache sehr ernst. Unter schwierigsten Bedingungen begann er mit dem Neuaufbau des Domchores. In seiner Domchorchronik berichtet Göbel über die unmittelbare Zeit nach dem Krieg: Kurz vor dem Liborifest 1945 wurde Göbel vom Paderborner Erzbischof Lorenz Jäger gebeten, sich um den Domchor zu kümmern. So konnten zum Liborifest desselben Jahres im zerstörten Dom wieder Gregorianischer Gesang erklingen. Etwa ein Dutzend Herren und ebenso viele Knaben hatten sich dazu eingefunden. Schon bald wollte man wieder mehrstimmig singen. Zunächst musste der Knabenchor durch Frauenstimmen ergänzt werden, da der Knabenchor arg zusammengeschrumpft war und die Vorschule infolge der Kriegswirren keinen Nachwuchs mehr bekommen hatte. 1946 zählte der Domchor etwa 15 Knaben, 10 Damen und 18 Herren. Da die Übungsräume zerstört worden waren, fanden die Proben in der Domkrypta oder in der Hathumar-Schule statt, bis im November 1950 der neue Proberaum über dem karolingischen Atrium zwischen Dom und Generalvikariat bezogen werden konnte. Schon 1946 hatte Göbel begonnen, wieder eine Vorschule für die Sängerknaben aufzubauen. Der Domchor wirkte regelmäßig zu sonn- und festtäglichen Hochämtern im Dom mit oder gestaltete kirchenmusikalische Feierstunden sowohl im Dom, als auch in der Erzdiözese.

Walter Salmen (1964–1967)

Als Göbel im Jahre 1964 aus Krankheitsgründen zurücktrat, konnte er einen Domchor mit circa 60 Knaben und 25 Herrensängern an seinen Nachfolger Domvikar Walter Salmen übergeben.

Rudolf Brauckmann (1967–1972)

Salmen wurde nach dreijähriger Tätigkeit von Rudolf Brauckmann abgelöst, der vom Mindener Dom kam. Im August 1972 trat Brauckmann die Domkapellmeisterstelle in Augsburg an.

Theodor Holthoff (1972–2007)

Theodor Holthoff, geboren 1941 in Castrop-Rauxel, studierte am Städtischen Konservatorium in Dortmund katholische Kirchenmusik bis zum abschließenden A-Examen. Weitere Studien folgten an der Staatlichen Musikhochschule Köln. Von 1961 bis 1972 war Holthoff Organist und Chorleiter in Dortmund-Huckarde. Lehraufträge an der Theologischen Fakultät Paderborn und an der Musikhochschule in Dortmund gehörten zu seinem künstlerischen Betätigungsfeld. Theodor Holthoff führte den Chor in seiner Amtszeit zu neuen künstlerischen Höhen. Er begann, jährlich in den Schulen Paderborns die besten Knabensänger anzuwerben und in einer einjährigen Vorschulzeit auf ihre Sängertätigkeit vorzubereiten. Der Herrenchor erfuhr eine starke Verjüngung und bestand zum größten Teil aus jugendlichen Sängern, die nach dem Stimmbruch in den Domchor zurückkehrten. Auch sie wurden ganz gezielt in ihrer Stimmlage geschult. Geschulte Gesangspädagogen führen seitdem intensive Stimmbildung mit den Sängerknaben aller Jahrgänge durch. Das alljährlich vor vollbesetztem Dom stattfindende Weihnachtskonzert des Domchores ist einer der Höhepunkte des Paderborner Konzertjahres.

Im Frühjahr 1986 konnte der Domchor das Hatzfeld-Haus – die ehemalige Domdechanei an der Dompropsteigasse beziehen. Hier stehen dem Domchor seither großzügige Raumverhältnisse zur Verfügung. Die Knaben probten dreimal in der Woche und wirkten an drei Sonntagen des Monats im Hochamt mit.

„Präsenz an den hohen kirchlichen Festtagen wie Ostern, Pfingsten, Weihnachten, Neujahr und Libori ist selbstverständlich“. Als Belohnung für Entbehrungen, Leistungsbereitschaft und Durchhaltevermögen führte Holthoff neben dem Kennenlernen und Erlernen großer Musikschätze und Freude an deren Aufführung zum Lobe Gottes im zweijährigen Turnus Konzertreisen ein, die bis heute die Musikpflege des Paderborner Domes in alle Welt hinaustragen. Höhepunkte der 1980er Jahre waren für den Domchor neben der Teilnahme an der internationalen

Chorfestwoche europäischer Knabenchöre in Aachen im Jahre 1981 die Konzertreisen nach Kanada 1983, nach Rom 1985 und Malta 1987. Im Jahr 1980 gründete Theodor Holthoff einen gemischten Erwachsenenchor, die Domkantorei, die durch ihren Dienst im Dom und durch hochrangige geistliche Konzerte schnell den Ruf erwarb, einer der führenden Chöre der Region zu sein. Die Konzerte der Domkantorei sind bis heute ein viel beachteter Bestandteil des Paderborner Konzertlebens, bei denen zahlreiche große oratorische Werke aller Epochen, u.a. alle oratorischen Großwerke Johann Sebastian Bachs zur Aufführung kommen.

Konzertreisen führten den Chor u.a. nach Rom, Malta, Kanada und Israel. Mit der Vollendung seines 65. Lebensjahres verabschiedete sich Theodor Holthoff 2007 in den Ruhestand.

Thomas Berning (seit 2007)

Im selben Jahr wurde Thomas Berning, *1966, zum Domkapellmeister berufen. Nach seinem Studium (Kirchenmusik und Orgel) an der Hochschule für Musik in Detmold war er von 1992 bis 1995 Kantor an der Antoniuskirche in Herten (Westf.)

und von 1995 bis 2006 Bezirkskantor der Erzdiözese Freiburg an der Jesuitenkirche in Heidelberg. Er leitete von 1992 bis 1995 den Madrigalchor Recklinghausen und gründete dort den Vestischen Kammerchor. In Heidelberg leitete er den Konzert- und Kammerchor der Cappella Palatina, in Freiburg zudem den Kammerchor „Concerto Vocale“.

Auch als Konzertorganist machte sich der 1. Preisträger des „Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerbs“ 1993 einen Namen. Lehrtätigkeiten nimmt er seit 1992 an der Hochschule für Musik Detmold und der Hochschule für Kirchenmusik Heidelberg wahr.

Thomas Berning erneuerte und erweiterte seit seiner Amtseinführung das Repertoire des Domchores nochmals und führte den Chor neben seinen Konzertreisen zu mehreren Chorfesten des Pueri Cantores-Chorverbandes, was seinen Ruf als einen der profilierten Kathedralknabenchöre weiter festigte.

Heute steht der Domchor nicht mehr allein als Träger der Dommusik da. Die 1980 gegründete Domkantorei und die 2008 neu gegründete Mädchenkantorei am Hohen Dom unterstützen den Domchor im musikalischen Dienst am Dom. Aus den Reihen der Herrenstimmen des Domchores hat sich zudem 2007 auf Thomas Bernings Initiative die Schola Gregoriana geformt, die sich der besonderen Pflege des Gregorianischen Chorals verschrieben hat und durch innovative Konzertkonzepte neue Akzente setzte. Thomas Bernings Engagement ist es zu verdanken, dass sich 2009 der „Freundeskreis Paderborner Dommusik“, der die Chöre am Dom materiell und ideell unterstützt, gründete.

Mit der Erweiterung und dem Umbau des Johannes-Hatzfeld-Hauses, dem Aufbau einer Schulkooperation mit den Paderborner Michaelsschulen und dem geplanten Neubau der bistumsweit ersten bischöflichen Grundschule St. Michael, die der Nachwuchsförderung der Domchöre dienen soll, wurden und werden nun Strukturen geschaffen, die die Zukunft des Domchores und der Paderborner Dommusik für die nächsten Jahrzehnte sichern mögen.