Der Generalspieltisch der Domorgel ist wieder vor Ort. Lange hatten Domorganist Tobias Aehlig und Orgelbauer Johannes Falke am Konzept zur Modernisierung der zweitgrößten deutschen Domorgel gearbeitet. Schwerpunkt war dabei die Erneuerung des zentralen Spieltischs im Hochchor des Paderborner Domes. Im Januar begann der erste Schritt: Mit großem Aufwand wurde der 300 kg schwere Generalspieltisch aus dem Chorraum gehievt und zur Überarbeitung zu einer Spezialfirma nach Süddeutschland transportiert.

Mit der Rücklieferung des vollständig erneuerten Generalspieltischs ist nun das Herzstück des Instruments wieder im Dom. Optisch leicht aufgefrischt, aber mit umfangreichen Anpassungen in Technik und Bespielbarkeit – eine beeindruckende technische Aufrüstung.

Wo bislang ein armdickes Kabel die Verbindung zur Chor- und Turmorgel herstellte, reicht künftig ein dünnes, orangefarbenes „Kabelchen“. Orgel 4.0 vermuteten wir noch im Januar und so ganz falsch war das nicht. 
Schaut man aktuell in das Innenleben des Instruments, so zeigen sich jede Menge elektronische Standardkomponenten, die auch in anderen Industrieprodukten verwendet werden. Das Herz des neuen Instruments aber ist eine Rechneranlage, die die Steuersignale in ein sogenanntes MIDI-Protokoll übersetzt, das über ein schlichtes Datenkabel die Verbindung zu seinen elektronischen „Partnern“ an den drei Orgeln im Dom übernimmt.

MIDI wurde ursprünglich zur Kommunikation von Synthesizern unterschiedlicher Hersteller entwickelt. Der eigentliche Sinn war dort, von einer zentralen Tastatur eines Synthesizers aus weitere dieser Geräte anzusteuern. Vorher konnten Synthesizer, wie letztlich auch die Paderborner Orgel, nur analog und mit großem Verkabelungsaufwand verbunden werden.

Das jetzt verwendete Elektronik-Konzept geht weit über die reine Verkabelung hinaus. So sind die Highlights der Neukonzeption des Instruments die völlige Variabilität in der Bespielbarkeit und Zuordnung der vier Manuale und des Pedals, die praxisgerechte Anordnung von intelligenten Steuerungstastern und ein Touch-Pad, um alle Konfigurationen zu archivieren und gegebenenfalls zu exportieren.

Während das Bad Driburger Orgelbauunternehmen Falke in Kooperation mit der Orgelbau- und Elektronikfirma FSB die aufwändige Anbindung des neuen Spieltischs an die Chororgel vorbereitet und an letzten Details feilt, ist die Weikersheimer Firma Laukhuff mit der Elektronik beschäftigt. Deren Softwareexperte Reginhard Baum, der auch die neue Programmiereinheit– im Fachjargon Setzeranlage – entwickelt hat, wird noch manche Nachtschicht im Dom verbringen, um die vielfältigen Zuordnungen vorzunehmen und zu überprüfen.
„Sie läuft schon“ meinte er gestern mit verschmitztem Blick auf die Chororgel, aber zunächst sei noch Vorsicht geboten. Und so leuchtet dort, wo demnächst die Titelinformationen des jeweiligen Musikstücks erscheint ganz frech „Finger weg!“

Stellvertretend für den Domorganisten Tobias Aehlig spielte am vergangenen Samstag zur Orgelmatinee Dekanatskirchenmusiker Sebastian Freitag zum ersten Mal auf dem vollständig überarbeiteten Generalspieltisch. Vorerst kommt jedoch nur die Chororgel zum Einsatz, da die Anbindung der gesamten Orgelanlage noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Spätestes zum „Orgelfestival Paderborn“, das am 1. Juni beginnt, sollen dann alle drei Orgeln einsatzbereit sein.
Wir berichten dann ausführlich mit Bild und Ton über die Neukonzeption einer der größten Orgeln Deutschlands.